Trostburg » Südtiroler Burgenmuseum Trostburg

SÜDTIROLER BURGENMUSEUM TROSTBURG

Trostburg bei Waidbruck - WestansichtJeder kennt die Trostburg oberhalb der Ortschaft Waidbruck. Doch wer kennt sie auch von innen? Für Europas Burgenfreunde ist ihre Besichtigung seit eh und je ein "absolutes Muss", doch Reisende von Nord nach Süd oder von Süd nach Nord fahren nicht selten an ihr vorüber. Zu Unrecht, wie wir meinen, denn der Blick zur Burg ist zwar allemal bezaubernd, doch bleibt der Kern des Schatzes dabei unentdeckt.

Seit 1977 ist die Trostburg öffentlich zugänglich und wird durchschnittlich von 7.000 Personen pro Jahr besichtigt. Gemessen an der erstrangigen Bedeutung des Bauwerks ist die Anzahl der Besucher gering, doch die Besucher wissen dies zu schätzen. In Ruhe und mit einer persönlichen Betreuung kann die Trostburg auf wunderbare Weise genossen werden.

Die Geschichte der Trostburg reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück. Besucher entdecken romanische Tür- und Fensterbögen, gotische Wehranlagen aus der Zeit des Minnesängers Oswald von Wolkenstein und spätgotische Wohnkultur des 15. und frühen 16. Jahrhunderts, ferner prunkvolle Säle und Getäfel aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie Stuck und Einrichtung der Renaissance. Unerwartete Wohnlichkeit mit idyllischen Plätzen prägt den Bau und seine Umgebung, dessen Architektur aber noch immer wesentlich von der ehemaligen Ritterburg bestimmt wird.

Die Trostburg ist Sitz des Südtiroler Burgeninstituts und des Südtiroler Burgenmuseums. Seit Kurzem wird in nur drei Räumen und anhand von 86 maßstabsgetreuen Modellen eine neu errichtete Dauerausstellung "Burgen - Bauwerke der Geschichte" gezeigt. Sie bietet einen guten Einblick in die Entwicklungsgeschichte der Südtiroler Burgen.

Das Südtiroler Burgenmuseum Trostburg ist für Sie von Gründonnerstag bis Ende Oktober geöffnet.

 Trostburg bei Waidbruck - Ostansicht

BAUGESCHICHTE

Trostburg - Großer SaalSteckt im Grundriss ein älterer Adelssitz? Wenn ja, fiele er wohl mit der Erwähnung des Hartwig Graman von Trostberg um 1184 zusammen. Heute interessiert uns vor allem die "Zeit danach".

Die noch heute erkennbare Ministerialenburg des 13. Jahrhunderts bestand aus einem mehrstöckigen, nordwärts gelegenen Palas und dem gegen Osten (Angriffsseite) gestellten Bergfried. Eine Mauer mit einem weiteren Bauwerk umschloss einen westlich des Bergfrieds gelegenen Innenhof.

Um 1290 gelangte die Trostburg von den als Straßenräuber gebrandmarkten Herren von Velthurns an den Grafen von Tirol, der sie in Folge an die Herren von Villanders und Wolkenstein verpfändete bzw. verkaufte. In Folge blieb Trostburg über etwa 600 Jahre Stammsitz der Wolkenstein, einem der bedeutendsten Tiroler Adelsgeschlechter, und konnte zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert wesentlich erweitert und im 17. Jahrhundert unter Engelhard Dietrich Graf von Wolkenstein-Trostburg im Stile der Renaissance umgebaut werden.

Trostburg - KapelleBesonders hervorhebenswert sind aus jener Zeit die dreifach gewölbte gotische Stube (um1400/1480), die beiden um 1514 errichteten und ausgemalten Säle des Hans von Wolkenstein und einer der schönsten Renaissancesäle des Landes (um 1607/18) sowie die reiche Ausstattung der Kapelle und die freskierte Loggia.

Im Barock wurde noch ein gegen Osten ausgerichteter Trakt wohnlich ausgebaut. Seither galten alle Bemühungen des 19. und 20. Jahrhunderts der weitgehenden Wahrung des überlieferten Zustandes, zuletzt auch unter dem Südtiroler Burgeninstitut.

Zum Restaurierungskonzept des Südtiroler Burgeninstituts 2000

Die Ansicht der Burg wird von einer ausgedehnten Vorburg (Hirschgraben, Michaelstor, Pfaffenturm, Kaserne, Kapelle), einem wertvollen Stall und oberhalb der Burg von einem runden und zur Angriffsseite spitz zulaufenden sog. "Römerturm" bereichert.

 

Trostburg - Vereinfachte Darstellung der Bauphasen

 

1 Bergfried 4 Mushaus 7 Südflügel 10 Torgglturm
2 Palas 5 Pfisterturm   8 Südtrakt 11 Äußeres Tor
3 Brunnenhaus   6 Westflügel 9 Wehranlagen   12 Inneres Tor

 

 

DAUERAUSSTELLUNG

Trostburg - DauerausstellungWichtigste Aussagen zur Burgenkunde werden bereits durch einzeilige Überschriften der Wandpaneele vermittelt. Kurze und prägnante Sätze erläutern das Wesentliche. Interessierte erhalten bei Bedarf inhaltsreiche Information. 86 maßstabsgetreue Modelle von Südtiroler Burgen unterstützen die Aussage.

Der Einführungsteil (Raum 1) schenkt den Interessierten einen Überblick über die Südtiroler Burg, den sich jene wünschen, die Burgen nicht bloß als Landschaftskulisse wahrnehmen wollen. Der Blick für die Vielfalt der Burgen, ihre Entstehung und Entwicklung erlaubt es, gute Fragen an die einzelnen Bauwerke zu richten und interessante Vergleiche bei der Betrachtung von Burgen anzustellen.

Die Burgen in Südtirol (Raum 2) bieten hierzu wunderbare Gelegenheit. Wo sonst stehen so viele unterschiedliche Objekte nebeneinander? Auch die gezeigten Modelle aus den Jahren 1923 bis 1963 sind teilweise bereits selbst Zeugnisse vergangener Zeit. Welch eine Chance, auf so alte und prominente Zeitzeugen zu stoßen, die gerne und bereitwillig Anekdoten aus den letzten tausend Jahren zum Besten geben!

Trostburg - Dauerausstellung Raum 3Die Geschichte der Burgen endet nicht im Mittelalter, sondern reicht herauf bis zu Ihnen, da Sie diese Zeilen lesen. Eine wesentliche Änderung in der Bedeutung der Burg ergab sich aber, als das Feudalsystem sein Ende fand. Von da an brauchten Burgen mehr denn je Freunde, die sich für sie interessierten. Von der Burgenromantik führt Raum 3 über die Lebensgeschichten des Modellbauers Ludwig Mitterdorfer (1885-1963) und des Burgenforschers Josef Weingartner (1885-1957) zur Burgenkunde und zur Gründung des Südtiroler Burgeninstituts 1963 bis in das Heute, in dem sich der Interessierte an der Ausstellung befindet.